Industrieunternehmen spielen für Europas eigenes Satellitennavigationssystems Galileo eine wichtige Rolle. So auch Telespazio VEGA: Für den Galileo-Start am 25. Juli hat das Unternehmen das LEOP-Flugkontrollteam der CNES trainiert.

LEOP, die Phase des Starts und der frühen Umlaufbahn, ist für jede Satellitenmission kritisch. Das Flugkontrollteam muss mit einer Vielzahl an Aktivitäten vertraut sein um sicherzustellen, dass die Satelliten ihre Zielumlaufbahn erreichen und alle Instrumente normal funktionieren. Das Team trainiert solche Szenarien bereits Monate im Voraus. Diese Trainings-Kampagnen werden von erfahrenen Simulation Officers geleitet, so wie von unsem Telespazio VEGA-Kollegen Sjut, der aktuell das Simulations-Team bei der französischen Raumfahrtagentur CNES unterstützt.

Sjut, was genau ist deine aktuelle Rolle am Kundenstandort CNES?

“Ich bin einer von drei Simulation Officers, den die Industrie der Agentur bereitstellt, um das Flugkontrollteam für die LEOP zu trainieren.”

Wie lang ist dein Einsatz beim Kunden?

“Ich bin im April in Toulouse angekommen und werde den Satellitenstart Ende Juli unterstützen. Ich bleibe aber bis Anfang August, als Lauch Support. Zu diesem Zeitpunkt werden die vier Satelliten an das Flugkontrollteam in Oberpfaffenhofen übergeben, das für den Routinebetrieb verantwortlich ist.“

Normalerweise arbeitest du am Deutschen Satellitenkontrollzentrum (GSOC) in Oberpfaffenhoden. Wie kam es, dass dir diese Rolle in Toulouse übertragen wurde?

“Das ist richtig. Ich habe tatsächlich schon zuvor Simulations-Kampagnen am GSOC unterstützt; dort arbeite ich regulär als Spacecraft Controller. Das bedeutet, dass ich beide Welten kenne, Satellitenbetrieb und Simulationen. Aber ich wollte schon immer etwas mehr machen und beruflich wachsen. Als unser Kunde CNES den Bedarf bei uns anmeldete, fragte mich mein Vorgesetzter, ob ich für ein paar Monate nach Toulouse ziehen wollte und ich sagte ja!“

Wie hast du dich für diese Aufgabe vorbereitet?

“Zunächst musste ich den Simulator kennenlernen. Telespazio VEGA Deutschland hat ja den Galileo-Konstellationssimulator entwickelt, oder CSIM, wie wir ihn nennen. Ich bekam eine spezielle Schulung am Hauptfirmensitz in Darmstadt und dann später eine praktische Einweisung bei der CNES.“

Wie leitet man eine Simulationskampagne?

Üblicherweise trainiert das Flugkontrollteam mehrmals die Woche, verteilt über einen Zeitraum von ein paar Monaten, um sich für alle möglichen nominalen und Fehlerszenarien vorzubereiten. Während der LEOP müssen die Satelliten rund um die Uhr betrieben werden, weshalb es drei Flugkontrollteams gibt, die die vier Satelliten im Schichtbetrieb steuern werden. Alle drei Teams müssen in allen wichtigen Szenarien geschult und eingespielt sein. Seit Mai halten wir etwa drei Simulationen pro Woche um alle Teams im Trainingsplan unterzubringen.“

Was trainiert man in solchen simulierten Trainings?

„Wir trainieren die wichtigsten und idealen Abläufe innerhalb einer LEOP, damit das Flugkontrollteam Vertrauen in die Prozeduren, in das Team und die Telemetrie gewinnt. Wir spielen zum Beispiel die Separierung der Satelliten von der Rakete, dem Empfang der ersten Daten und so weiter durch.“

Und was ist mit Fehlerfällen?

“Auch die trainieren wir: Der Großteil der Fehlerszenarien, die wir für das Flugkontrollteam vorbereitet haben, sind Instrumentenfehler. Aber wir trainieren auch unübliche Szenarien, zum Beispiel, dass ein Satellit von Weltraumschrott getroffen und beschädigt wird. Es ist schon eine ziemliche Herausforderung für das Team, das herauszufinden, wenn man nur Telemetriedaten vom Satelliten hat und sich gleichzeitig in der Kommunikation im neuen Team üben muss.“

Simulations Officer Sjut an seinem Arbeitsplatz am Kundenstandort CNES in Toulouse

Welche Simulation hat dir bisher am besten gefallen?

“Wir haben ein Szenario trainiert, in dem einer der vier Satelliten nach dem Start kein Signal sendete, da er sich nicht einschaltete oder einschalten ließ. Diese Session war besonders interessant, weil Vertreter der GSA, der Europäischen GNSS-Agentur, während der Simulation anwesend waren und wir sie in die Eskalation dieses Fehlerszenarios eingebunden haben. Ab einem gewissen Moment wurde die Tatsache, dass ein Satellit vielleicht „verloren“ sei, von einem rein betrieblichen Problem zu einer Managementsache.“

Das klingt danach, dass deine Arbeit dir viel Freude macht. Was wirst du deinen Kollegen am GSOC erzählen, wenn du wieder zurück bist?

„Dass es die richtige Entscheidung war, neugierig zu sein und mich beruflich weiterzuentwickeln. Die Aufgaben hier am CNES sind herausfordernd und spannend. Und ich genieße es sehr mit den Teams am CNES zu arbeiten, sei es mit Kollegen der Raumfahrtagentur oder anderen Industrieunternehmen.“

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview, Sjut!


Über Galileo

Galileo ist Europas eigenes globales Satellitennavigationssystem, welches hochgenaue und garantierte globale Ortungsdienste unter ziviler Kontrolle bereitstellt. Es besteht aktuell aus 22 Satelliten. Das komplette System wird 30 Satelliten umfassen. Am 25. Juli 13:25 Uhr CEST, werden vier weitere Satelliten an Bord einer Ariane 5-Rakete von Europas Weltraumhafen in Kourou, Französisch Guyana, ins All gestartet um Teil der Konstellation zu werden.

Nachlese und wie Sie den Start verfolgen können

Lesen Sie mehr darüber, wie die Telespazio-Gruppe und im speziellen Telespazio VEGA Deutschland  zum Galileo-Programm beitragen. Der Start wird live auf www.esa.int übertragen.

 Read more about how Telespazio and Telespazio VEGA Deutschland in particular contribute to the Galileo programme. The launch will be live streamed on www.esa.int.

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